Erschienen bei: FK-Produktion
Geschrieben von Miesling News
Mit dem Dritten Vollalbum bei Feindkontakt, haben es die Magdeburger Elbroiber mit ihrem musikalischen Kahn nun auch (auf die Innerste) in meinem Gau geschafft. Bis auf gelegentliche Hörproben in diesem Internetz gingen die Oi!-Punkrock Piraten leider etwas an eurem treuen Freund und Erzähler vorbei.
Dabei haben die Jungs schon 2003 ihr Demotape auf den Markt geworfen. Nun ja, was lange währt und so…
Das Label ist bei Veröffentlichung auch (wieder) nicht geizig:
Neben dem DigiPack in Inside- out Haptik mit 500 Stück, gibt es auch gleich die Schallfolie für den Hörgenuss. 100 Stück in klassisch Schwarz und 200 Stück in schwarz/neongrün Splatter.
Ja, nun keine insgesamt Hohe Auflage, aber hier wurde das Motto, Qualität vor Quantität, gewählt.
Vorliegend ist das DigiPack, welches von Hand in Folie gepackt wurde und einen Elbroiber Aufkleber enthält. Die angesprochene „Inside- out Haptik“ ist genau das, was mir immer sehr gefällt bei diversen Produktionen. Alles rauer und matt und doch mit bestechenden Farben.
Auf dem Frontcover sieht man einen behüteten Elbroiber als Skelett, wie er beim Kartenspiel auf einen mutmaßlichen Falschspieler schießt.
Wenn wir das Digi Aufklappen, finden wir in einer Kartontasche das 12 Seiten Beiheft mit dem selben Cover. Auf der Grundfarbe Schwarz ziehen sich, mit Liebe zum Detail, viele kleine Zeichnungen durch die Seiten mit den Texten der 11 Lieder. Bei der Liebe zur Qualität und Details, hätte man aber ruhig noch ein paar Seiten mehr spendieren können und die Schrift größer setzen lassen. Ich habe, unironisch, mit einer Lupe die Liedtexte und die Stellungnahme auf der Rückseite gelesen. Zum Glück versteht man die Texte aber auch durch bloßes Hinhören.
Jetzt also einen guten "Kraken Rum" (Der heißt wirklich so!) eingeschüttet, und den Silberling in den Abtaster werfen.
In 41.23 Minuten werden dem Hörer Gesellschafts- und Zeitgeistkritische Worte, in einem goilen Oi!-Punkrock Gewand, um die Ohren gehauen. Dies aber in einer Zeitgemäßen Qualität und mit einer Steigerung zu dem, was ich mir im Vorfeld zu dieser Besprechung noch einmal aus der Vergangenheit angehört habe. Die musikalischen Wurzeln sind aber unverkennbar und das ist auch gut so. Die Gitarre schrammelt auf hohen Niveau und bietet auch gute Solis. Das Schlagwerk ist fleißig und mit den beiden rotzigen Stimmen, bleibt es bei aller Aufnahmequalität in unserer Zeit doch Straßentauglich. Trifft also in der Zitadelle genau den Nerv.
So ballern die Jungs also mit „Roiberpistole“ auch gleich entsprechend los: „4 Freunde, 3 Akkorde…“ Das erinnert mich an wilde Zeiten im Ruhrpott.
„Dünnschiss von Gestern“ ist durchaus Pogotauglich und Textlich auf Widerstand aus. Ich liebe diese Mischung.
Mit „Ach du grüne Neune“, was das Titellied ist wie der Aufmerksame Leser bemerkt haben dürfte, bekommen die Grün lackierten Kommunisten so richtig ihre Schandtaten aufgezählt.
Das „Nutzvieh“ ist auf der Lichtscheibe nicht Schwein, Kuh, oder Huhn. Es ist der Mensch.
„Echt dufte drauf“ find ich schon lustig und leider auch sehr realistisch. Man(n) setzt sich da mit einem Großteil des Weibsvolk auseinander. Stellt aber auch fest, das es Ausnahmen gibt.
Und so geht der Reigen immer weiter, mit Texten und flotten Melodien die stets Zeitgemäß und Kritisch sind. „Smart“, „Tiefschlaf“ oder „Hexen & Ketzer“, treffen immer ins Schwarze.
Am Ende werden wir mit „Das macht uns alles gar nichts“ aus der Lichtscheibe entlassen. Getragen beginnt das Lied über Repression und steigert sich dann, wenn es um Trotz und Widerstand geht.
Eine wirklich rundherum gelungene Produktion in Aufmachung, Produktion, Spielfreude und mit sehr guten Texten.
Oi! und Punkmusik waren schon immer kritisch. Nie so PC und angepasst wie heute im Mainstream. Das haben die Elbroiber wieder klargestellt.
