Unearth - The Wretched; The Ruinous (2023)
Auflösung von Machtstrukturen
Solange Herrschaft existiert, bleibt der Missbrauch kein Unfall, sondern Struktur. Das Grundproblem der Menschheit liegt nicht im moralischen Versagen einzelner Akteure, sondern in der Konstruktion politisch-ideologischer Machtapparate, die sich selbst erhalten müssen, um zu überleben. Jede Herrschaft trägt den Keim der Selbstverteidigung in sich. Sie schützt nicht in erster Linie die Menschen, sondern ihre eigene Existenz.
Die gefährlichste Konstante in diesem Gefüge ist die institutionalisiert ausgeübte Staatsgewalt. Sie blockiert jeden evolutionären Prozess, der das Bestehende grundlegend infrage stellt. Wer sich vom System distanzieren will, wer Alternativen schafft oder Machtstrukturen auflöst, trifft auf jene Gewalt, die ursprünglich angeblich zum Schutz gedacht war. In der Praxis wird sie jedoch zur Absicherung politischer Perversion und ökonomischer Ausbeutung genutzt. Das Gewaltmonopol wird zum Instrument, um Raubzüge zu legalisieren, Abhängigkeiten zu zementieren und sogar die zwangsweise Beteiligung an ideologisch eingeleiteten Kriegen durchzusetzen.
Eine echte Weiterentwicklung ist innerhalb dieser Strukturen kaum denkbar, weil genau jene Institutionen, die den Missbrauch ermöglichen, ihn zugleich konsequent verteidigen. Das System schützt sich selbst. Es bewacht seine eigenen Fundamente, weil sein Fortbestand vom Fortbestand der Abhängigkeit lebt. Menschen scheitern nicht primär an fehlender Erkenntnis, sondern an der ausführenden Gewalt, die von Behörden, Verwaltungen und militärischen Apparaten ausgeht. Solange diese Machtkonzentration unangetastet bleibt, bleibt auch das Leid strukturell verankert.
Wer Veränderung will, muss daher die Frage stellen, wie mit den Trägern dieser Macht künftig umzugehen ist. Nicht aus Rache, sondern aus Notwendigkeit. Ohne eine Strategie zur Entflechtung von Macht und Gewalt wird jeder Reformversuch im Keim erstickt. Die Uniformierten in Polizei, Militär und Nachrichtendiensten arbeiten strukturell für das System, das sie bezahlt. Loyalität folgt meist der Versorgung. Auch das ist keine moralische Anklage, sondern eine nüchterne Analyse von Anreizstrukturen.
Von nichts kommt nichts. Evolution entsteht nicht durch Bitten oder Betteln, sondern durch bewusste Prozesse. Wenn Machtverhältnisse nicht aufgelöst werden, reproduzieren sie sich selbst. Wenn Macht konzentriert bleibt, bleibt auch der Missbrauch konzentriert. Der einzige Ausweg liegt in der Auflösung dieser Verdichtung von Gewalt und Entscheidungshoheit. Nicht eine neue Partei, ein neuer Herrscher, nicht eine neue Ideologie, sondern die konsequente Dezentralisierung von Macht ist der evolutionär notwendige Schritt.
Veränderung beginnt dort, wo Menschen aufhören, auf Erlösung von oben zu warten, und beginnen, selbst zum Prozess zu werden, der die Perversion beendet.
Man kann Menschen, die selbstständig denken, eigenverantwortlich handeln und in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, nicht kontrollieren. Genau deshalb werden solche Menschen systematisch verhindert.
In den staatlichen Anpassungsfabriken, die man „Schulen“ nennt, lernt man vieles – aber fast nichts, was einen wirklich unabhängig macht. Man lernt nicht, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen oder zu reparieren. Man lernt nicht, sein eigenes Essen anzubauen. Man lernt nicht, wie man ein Geschäft aufbaut, wie man ohne Institutionen überlebt, wie man ohne dauernde Betreuung klarkommt. Man lernt vor allem eines: funktionieren.
Das ist kein Zufall. Ein System, das auf Kontrolle basiert, braucht abhängige Menschen. Menschen, die glauben, ohne Strukturen, ohne Erlaubnis, ohne „Zuständigkeiten“ nicht existieren zu können. Menschen, die für alles einen Antrag brauchen, für alles eine Genehmigung, für alles einen Experten – und für jedes Problem einen Vorgesetzten.
Unwissenheit ist dabei kein Kollateralschaden. Sie ist das Fundament. Wer nicht weiß, wie man selbst baut, selbst repariert, selbst organisiert, selbst denkt, bleibt immer Kunde, Untertan und Bittsteller. Abhängigkeit ist kein Fehler im System. Sie ist das System.
Freiheit beginnt nicht bei Parolen, Wahlen oder Symbolen. Freiheit beginnt bei Kompetenz. Bei der Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen. Bei der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen – nicht nur für Entscheidungen, sondern für die Konsequenzen.
Die heutige Gesellschaft scheut Eigenverantwortung wie der Teufel das Weihwasser. Und wo Menschen Verantwortung meiden, dort wächst zwangsläufig Fremdherrschaft. Erst als Service, dann als Regel, am Ende als Zwang.
Ein System, das dich klein hält, nennt das „Sicherheit“. Ein System, das dich abhängig macht, nennt das „Fürsorge“. Ein System, das dich unfähig erzieht, nennt das „Bildung“.
Unabhängig wird man nicht durch Wut, sondern durch Fähigkeit. Nicht durch Protest, sondern durch Können. Nicht durch das bloße Ablehnen von Autorität, sondern durch das Überflüssig-Machen von Bevormundung.
Wer lernt, sich selbst zu versorgen, selbst zu denken und selbst zu entscheiden, entzieht sich der Kontrolle vielleicht nicht mit einem Schlag – aber Schritt für Schritt.
Und genau das ist es, was jedes Herrschaftssystem am meisten fürchtet: Menschen, die es nicht mehr brauchen. Denn wo Abhängigkeit endet, endet auch Macht. Und wo Verantwortung beginnt, hört Unterwerfung auf.
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