CD Rezension: Prolligans - Ist das noch Oi!? (2025)

 

Erschienen bei: Oldschool-Records

Geschrieben von Miesling News

Keine 3 Jahre hat es gedauert, bis die Ayurvedische Glatzenkombo aus dem Erzkatholischen Allgäu ihre neue Lichtscheibe dem sexistischen Pöbel vor die Füße wirft.

Nach der „Endlich 18“ Scheibe, fragen die Karohemden: „Ist das noch Oi! ?“.

Noch in der besinnlichen Julzeit 2025 erschienen, liegt ein (im Besten Sinne Oldschool) Jewelcase vor. Oldschool ist auch die Tatsache, das die Stiefelträger erneut und immer noch ihre Kahlrasierten Schädel in die Kamera gehalten haben, um sich für das (wieder) mit Stacheldraht begrenzte Frontcover ablichten zu lassen. Zeigt doch heute kaum noch ein Künstler der Gegenkultur sein Gesicht. Das ist auch wieder Oldschool und basiert, um mal ein neues Wort zu verwenden.

Ein inzwischen klassisches Beiheft mit 16 Seiten ist wie das Cover in einem Grauton gehalten. Als Wasserzeichen sind Bilder der Bandmitglieder hinterlegt, und der Stacheldraht zieht sich auch durch das Beiheft. Auf der Vorletzten Seite gibt es eine Collage von Band, Weibsvolk und drumherum. Zuletzt gibt es eine Stellungnahme der Band mit der Überschrift: 

„Oi! ist unsere DNA“. 

Auf dem Silberling werden 15 Tracks mit einer Spielzeit von guten 56 Minuten geboten.

Wenn wir „Einklang“ und „Ausklang“ abziehen, verbleiben 13 Lieder.

Die Texte dieser Lieder sind übrigens im Beiheft sehr gut nachzulesen, weil es endlich einmal mit den Kontrasten, einer Druckerei (in letzter Zeit), geklappt hat. So ist dann auch die Schriftgröße ausreichend. Es geht also doch.

Jetzt geht es vom Kühlschrank, mit Kaltgetränk, auf Luftgepolsterten Sohlen zum Abtaster um endlich der Frage nachzugehen: 

„Ist das noch Oi! ?“.

Und gleich der 2. Track ist dann auch das Titellied. Hier wird in einem sauber gespielten Oi! und somit Skinheadrock, mit der degenerierten „Oi!“ und „Punk“ Szene welche inzwischen im Mainstream der real existierenden BRD hängen geblieben ist, abgerechnet.

Auch im Lied „Entschuldigung“ gibt es diesbezüglich noch einmal einen Seitenhieb, wobei nicht nur die Mainstreamszene ihr Fett abbekommt (Kenne aus der Vergangenheit im Reichshauptdorf auch so ein „Frühstückchen“…), sondern auch Gutmenschen und Politik.

Mit „Skins“ wird so manches Klischee auf das musikalische Korn genommen, und nicht mit Ironie gegeizt. Ja, die Themen liegen halt auf der Straße für eine basierte Band.

Mit „Türe auf, Türe zu“ nimmt man sich eines der schwersten Themen an: Kindesmissbrauch.

Aber man bekennt sich auch im Lied „Vaterland“ zu seiner Heimat und Abstammung.

Neben weiteren Gesellschaftskritischen Liedern, kommt auch das Markenzeichen der Spätzle mit Bratensoße Connaisseure naturgemäß nicht zu kurz: Spaß, Freu(n)de, Weiber und der damit verbundene Sexismus.

Wurden einem bei dieser Veröffentlichung zwar die Optik Weiblicher Attribute verweigert (Was bei der letzten Scheibe viele Freunde gefunden hatte), so werden sie doch zumindest in „All Clits are beautiful“ anschaulich besungen. Und zwar, der Fachmann wird es geahnt haben, als Cover eines berühmten 4Skins Songs.

Dafür gibt es fröhliche Literarische Erbauung mit dem vertonten Gedicht des Dichter unserer Nationalhymne, August Heinrich von Fallersleben: „Das Glas in der Rechten“. Wohlgelungen will euer treuer Freund und Erzähler meinen.

Auch „Rock 'n Proll“, lässt einem nach der Weise des „Way of Life“ richtig abfeiern.

Was ich noch bemerkenswert finde, ist das Lied „Oberst Klink“. Wird in diesem Lied doch eine Figur aus der TV Serie „Ein Käfig voller Helden“ (Im Original „Hogan’s Heroes“) besungen. Ist mal etwas völlig neues. Kann man mal machen, muss man aber nicht. Ist in dem Fall aber durchaus Lustig, auch wenn es das nicht sein sollte. Naja, ihr wisst schon…

Der Hörer bekommt also genau das, was er bei den Prolligans zu erwarten hat: Bekenntnis zu Deutschland, Politik- und Gesellschaftskritik, Sexismus und Way of Life. So wie es sich für eine Skinhead Band gehört. Eine saubere Mischung der Themen, so wie es halt auch im richtigen Leben ist. Man muss nicht zum Lachen in den Keller gehen.

Und das alles mit herzerfrischenden Melodien. Und um die Frage des Albumtitel noch einmal aufzugreifen: „Ist das noch Oi! ?“?

Ja, das ist Zeitgemäßer Oi!. Der zu empfehlen ist, wenn man nicht unbedingt nur Manchesterhosen trägt