CD Rezension: Blutzeugen - Hypærion (2026)

 


Erschienen bei: OPOS-Records

Geschrieben von Miesling News

Nach dem „Amuse-Bouche“ im November 2025, mit der MCD „Ewige Wache“ (inkl. einem neuen Coverlied) so wie umfangreicher Werbung im Vorfeld des Aktuellen Vollalbum „Hypaerion“ (Name ist an den "Titan des Lichtes" aus der Griechischen Mythologie angelehnt) war es nun also im Januar 2026 soweit. 

Der Hype um „Hypaerion“ erreichte seinen Höhepunkt.

Eine richtige Heavy Metal Band mit Weltanschauung ist halt doch eine seltene Tatsache in der Gegenkultur. Derzeit erfreut sich eine härtere Gangart in der Musik durchaus einer gewissen Beliebtheit in der Szene ohne Subkulturellen Hintergrund.

Deshalb wurde vom Label auch direkt neben dem Jewelcase ein Mediabook mit einer Auflage von 1500 Stück, sowie eine Box mit 500 Stück ins Rennen geschickt. Desweiteren gibt es auch eine Digitale Version zum Herunterladen. Verkaufstechnisch wurde also an alle gedacht.

Wie man dem Szenegemurmel entnehmen kann, sind Box und Mediabook inzwischen nicht mehr zu bekommen.

Vorliegend ist das Jewelcase.

Wie bereits in der Vergangenheit, präsentieren sich die Mitteldeutschen Musiker nur mit Masken, diesmal sogar auf dem Frontcover.

Das Beiheft mit 16 Seiten zeigt neben den Texten (nüchtern aber sehr gut lesbar gesetzt und gedruckt) Bilder der Musiker, natürlich mit Masken, ästhetisch in Szene gesetzt.

Das wirkt auf den ersten Blick jedenfalls schon einmal sehr Massentauglich umgesetzt.

Mit dem Silberling schreiten wir nun, auf leisen Sohlen. zum Abtastgerät.

In den nächsten 59.09 Minuten wird es noch, stellenweise, laut genug.

Geboten werden 12 Titel auf dem Jewelcase, und nach hiesigem Wissen auch im Digitalen Abruf. Box und Mediabook enthalten jeweils einen Bonustitel.

Den Reigen beginnen die Künstler mit einem vertonten Gedicht des Hoffmann von Fallersleben, der sich in letzter Zeit wieder erhöhter Beliebtheit in der musikalischen Gegenkultur erfreut:

„Eisen bricht die Not“. 

Ich möchte den Titel auch nicht als Intro bezeichnen, ich empfinde es durchaus als vollwertigen Titel. Er wurde als letztes „Schmankerl“ auch kurz vor der Veröffentlichung des Albums, in diesem Internetz veröffentlicht.

Gleich mit dem Titellied „Hypaerion“ geht es in die Vollen. Die Schießbude scheppert wie ein

MG-Nest, in dem die Munition stetig dem MG 42 zugeführt wird, um die Feindlichen Reihen nieder zu halten. Zwischendurch kreischt eine Stimme wie ein verwunderter Kamerad zwischen die klaren Befehle eines Offiziers in der Frontlinie. Und die Gitarren rauschen über diesem Szenario wie weiland die Nebelwerfer der Wehrmacht. Persönlich habe ich das Gefühl die Hauptstimme wurde auch etwas lauter abgemischt als die Klangkulisse, denn sie ist sehr gut verständlich. Nicht nur im Gesang selbst, sondern halt auch im Verhältnis zu den Instrumenten.

Das weiß eurem treuen Freund und Erzähler durchaus zu gefallen.

Mit „Veritas Post Vectis“ (Die Wahrheit hinter Riegel) wird die Zensur und Repression angeprangert, die Aktuell und in den bisherigen Jahren, der real existierenden BRD, schon vielen Kameraden die Freiheit gekostet hat.

Mit „Ermordet bei Danzig“ rufen die Musiker das Schicksal eines jungen Blutzeugen von 1931 wieder in die Erinnerung. Danke dafür!

Insgesamt gibt es nicht einen Aussetzer auf dieser Lichtscheibe. Ob „Rex“ oder „Volk ohne Traum“. Thematisch haben wir eine gerade geschichtliche, als auch gegenwärtige, Weltanschauliche Linie. Welche mit passenden Worten umgesetzt wurde.

Ebenfalls bereits im Vorfeld veröffentlicht sind die beiden letzten Lieder auf der Scheibe:

„Berlin-Rom-Tokio“ und „Wo alle Straßen enden“.

Beide Lieder sind auch meine Lieblingsstücke und somit auch Anspieltipp für Neugierige.

„Berlin-Rom-Tokio“ weil es mal eine andere Art von „Achsenlied“ ist, nicht nur was das Genre betrifft, sondern weil es Gastgesang von Bronson aus Italien und Sledgehammer aus Japan gibt. Aktuell gehört das Lied (wirklich!) zu meinen Lieblingstiteln.

„Wo alle Straßen enden“ ist ein gefühlvolles „langsames“ Lied, dessen Eindruck noch mit einer Weiblicher Stimme verstärkt wird. Es handelt von den jungen Soldaten, die im Kampf um die Heimat gefallen sind:

„…Wo alle Straßen enden , da liege ich allein. Auch wenn kein Kreuz von mir erzählt, werde ich für immer bei euch sein.“

Die Musiker sind für ihr Genre, in der Gegenkultur, wahrlich ein Aushängeschild.

Für jemand der nicht unbedingt in der „Knüppel-Musik“ daheim ist, braucht das Album länger um zu wirken. Es entfaltet mit jedem neuen Durchlauf in den Boxen eine Atmosphäre, die einen auch bei erhöhter Lautstärke in andere Welten entgleiten lässt.

Mann kann sich dieser Scheibe nur schwer entziehen, was die Worte und die Botschaft betrifft.

Nichts für nebenbei, sondern eine Lichtscheibe zum hinhören. Egal ob laut oder leise abgespielt.